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Provence Herbst 2010 Teil 1 – Die Vorhut Punkt 6:47 Uhr traf Claudia mit ihrem Rollköfferchen, Schirm und Zelt … beim Café im Schwyzer Bahnhof ein. Es dauerte nicht lange, da wurde sie auch schon als Gleitschirmfliegerin erkannt. Brigitte war bereits mit ihrem ‚Büssli’ eingetroffen. Nach einem Kaffee trudelten dann auch Theres und Josef (Reiseleitung) sowie Sascha (der Kurzentschlossene) ein. Pünktlich fuhren wir mit Ziel MONACO los. Die Fahrt ging reibungslos von statten bis zur 1. Mautstelle. Da blieben Brigitte und Claudia solange stecken, bis die Barriere nach angestrengtem Knöpfe drücken – auch ohne zu bezahlen – hoch ging. Zum Glück steigerten sich die beiden von Barriere zu Barriere und passierten diese zuletzt reibungslos. Bereits nach 6 Stunden erreichten wir den Landeplatz vom Mont Gros in Roquebrune. Der Beach lud zum länger Verweilen ein – wir wollten aber noch fliegen! Wir schafften es auf die 15:15 Uhr Navette, die etwas oberhalb des Landeplatzes auf uns wartete. Die Fahrt führte uns die kurvenreiche Strasse zum noblen mit Teppich belegten Startplatz hoch – dies für einen Spotpreis von einem Euro. Oben angekommen, machten wir Windstudien und beobachteten die Wolken – vielleicht etwas zu lange. Es reichte aber für einen herrlichen Abendflug mit Blick auf Monaco und das Meer. Wieder am Strand genossen wir das wohlverdiente Landebier. Bei den parkierten Autos kam es dann zu einem spontanen und ausgiebigen Apéro. Plötzlich standen lauter Leckereien vor uns und vor allem die selbstgemachten ‚No Names’ von Sascha fanden reissenden Anklang. So gestärkt stellten sich unsere Zelte fast von selbst auf - unter den schönen Kastanienbäumen des Campings in Latte di Ventimiglia (Italien). Teil 2 - Die Nachzügler Am Samstag, 2. Oktober trafen Daniel und Doris die WinWings Gleitschirmreisegruppe am Abend am Campingplatz in Ventimiglia an. Zur Willkommensfeier fuhren wir über die Grenze nach Frankreich in das nahegelegene Städtchen Menton. Spät abends flanierten wir durch die bevölkerten Gässchen in der Fussgängerzone und hatten die Qual der Wahl zwischen den zahlreichen Restaurants, die alle auf der Strasse aufgetischt hatten. Dass wir schliesslich bei einem Marokkaner landeten, war eher Zufall. Die Frauen hatten ihr Couscous bald verschlungen, doch die Männer kamen vor lauter Freude über die Bauchtänzerin nicht wirklich zum Essen. Am nächsten Morgen suchte ich den Weg zum Meer und tauchte voller Freude in die für unsere Verhältnisse warmen Fluten ein. Das Meer war spiegelglatt, der Himmel strahlendblau, Ferien pur. Nach einem Café im Supermarkt machten wir uns auf den Weg nach Sospel, nicht ohne vorher noch eine Sightseeing-Tour durch Ventigmiglia zu unternehmen, auf der Suche nach einer offenen Tankstelle. Derart gestärkt transportierte uns der WinWings Bus sicher nach Sospel, wo Josef und Therese schon im Vorjahr den versteckten Zugang zum Landeplatz ausfindig gemacht hatten. Nach einem ausführlichen Briefing fuhren wir auf den Mont Agaïsen (755m ü.M) und legten unsere Schirme auf dem grünen Teppich aus. Theres traute sich als Erste in die Luft und zeigte uns, wo der Aufwind zu finden ist. Wir flogen fast alle an der Bergkräte hin und zurück und landeten nach einer Weile neben dem alten Turm am Landeplatz. Ausser Claudia, die versuchte auszureissen und schliesslich am Ende des Tals auf dem grosszügigen Anwesen der Villa Caminada landete. Dass dieses Haus durch drei Kampfhunde bewacht wird, teilte ihr die Hausherrin erst nach der geglückten Landung mit und chauffierte sie unmittelbar zurück zur Grundstückgrenze. Während ihre Gspänli die erste Landung im Dorf mit der Auswahl von 24 Biersorten verarbeiteten, wanderte Claudia zu Fuss zurück ins Dorf, wo sie gerade rechtzeitig eintraf, um den zweiten Transfer zum Startplatz zu erwischen. Inzwischen war auch Leander zu uns gestossen, der am Samstag noch seine Cousine verheiratet hatte. Als passionierter Steinmetz konnte er sich fast nicht von der Ruine des alten Wehrturms, der in der Mitte des Landeplatzes stolz aufragte, trennen. Der Abendflug war sehr angenehm und kann als echter Genussflug verbucht werden. So war auch die Stimmung beim Apéro recht ausgelassen. Für die Heimfahrt wählten wir wieder den kurvenreichen Weg nach Ventigmiglia, wo wir aber aus nicht geklärten Gründen auf der Autobahn landeten und wie durch einen Zufall wieder in Menton strandeten. Das Abendessen nahmen wir dort im Hafen samt Bergschuhen und Fliegerkleidern ein. Vielleicht mussten wir deshalb als einzige Gäste unter Freiem Himmel sitzen, was wir jedoch sehr genossen. Bis wir in unserem Zeltdorf ankamen, ging der Tag schon zur Neige. Am nächsten Morgen versuchten Josef, Theres, Leander und Doris ihr Glück wieder im Meer, mussten aber dieses Mal gegen meterhohe Wellen ankämpfen. Am späten Vormittag wollten wir vom Mont Gros (690 m) fliegen, aber der Ostwind machte uns einen Strich durch die Rechnung und die White Caps überzeugten uns schliesslich davon, doch nicht zu fliegen. Leander brachte seine Erfahrung vom Fliegen an der Düne ein, wo man ihm erklärt hatte, dass man noch fliegen kann, wenn die White Caps Souris (Mäuse) sind, jedoch bei Moutons (Schafen) und Bisons sollte man lieber am Boden bleiben. Auf der Fahrt nach Le-Bar-du-Loup begann es zu regnen und in den Dörfern verwandelten sich die gepflasterten Strassen zu Wildbächen. In Gourdon fanden wir eine willige Gastwirtin, die bereit war, uns am Nachmittag zu bekochen. Angekommen in Gréolières suchte die Zeltmannschaft ein trockenes Dach über dem Kopf und fand eine Herberge, die sie zur Flieger-WG umfunktionierten. Am Dienstag lachte wieder die Sonne als wir aus unserem Wohnmobilfenster schauten und die Vorfreude auf Thermikflüge war riesengross. Nach einem gemütlichem Frühstück machten wir uns auf den steinigen Weg zum Startplatz (1'170 m) am Fusse des Mont Cheiron (1'777 m). Josefs Fahrkünste wurden durch die am Vortag ausgeschwemmte Strasse arg strapaziert, doch er schaffte es schliesslich, uns mehrmals sicher zum Startplatz zu bringen. Ein grosses Kompliment möchte ich an dieser Stelle auch an Theres aussprechen, die die Wildwestfahrbahn wieder nach unten schaffte und durch ihre Ortskenntnis und Beziehungen zu Gastwirten, Bürgermeistern und befreundeten Gleitschirmschulen wesentlich zum Gelingen der Reise beigetragen hat. Am Startplatz versuchte zuerst Daniel (alias Dummyel) sein Glück und nachdem er über unsere Köpfe hinweg flog, starteten auch Brigitte und Doris, welche allerdings im Flug feststellen mussten, dass der Wind unerwartet auf West gedreht hat und der Landeplatz nur mehr mit dem Speed zu erreichen war. Der Rest der Gruppe verzichtete danach auf den Start und wir fuhren weiter zum Mont Bastide, wo auf einer aufgelassenen Skipiste ein herrlicher Startplatz in alle Himmelsrichtungen anzutreffen war. Womit wir jedoch nicht gerechnet haben, war der Wind, der uns mit mehr als 40 km/h um die Ohren blies. So blieb uns nichts anderes übrig, als dem Spiel der Wolken zuzusehen. Am Horizont war eine endlos lange Wolkenstrasse zu sehen und wir wünschten uns alle, unter dieser fliegen zu können. Als der Wind auch gegen Nachmittag nicht abnahm, fuhren wir zurück nach Gréolières und machten noch einen schönen Abendflug. Da uns die verdiente abendliche Stärkung im einzigen Restaurant verwehrt wurde, liessen wir den Abend in der Flieger-WG mit Take Away Pizza ausklingen. Am Mittwoch profitierten wir nochmals von den idealen Flugbedingungen am Mont Cheiron, jedoch ohne die geplanten Streckenflüge realisieren zu können. Sascha, ein fliegerisches Naturtalent und Claudia versuchten zwar auszureissen, entschieden sich dann aber doch, in Greoloieres zu landen. Die Strecke nach Saint André les Alpes führte uns durch das Naturreservat von Verdon und entlang des halb ausgetrockneten Stausees Castellane. Am Ziel angekommen suchten wir uns am riesigen aber verwaisten Campingplatz die besten Plätze aus. Den Abend verbrachten wir in einer Pizzeria, deren Wirtin unsere Knaben mit ihrem offenherzigen Dekolleté überzeugte. Die von den Damen bestellte Fischsuppe beschreiben wir besser nicht. Zu einer vernünftigen Zeit begaben wir uns wieder zu Nachtruhe, wollten wir doch fit für den nächsten Flugtag sein. Zum Frühstück hatten wir die wieder die Auswahl von zahlreichen Boulangerien und die Croissants zum Café au Lait schmeckten hervorragend. Selber schuld, wenn jemand zum z’Morgen schon Salami isst. Wo bleibt da die Möglichkeit zur Steigerung? Am Mittag brachte uns Josef mit dem vollbesetzten WinWings Bus (wir hatten inzwischen noch einen weiteren Eidgenossen mit an Bord genommen) auf den Startplatz Chalvet, 700 m über Saint André. Dort waren wir unter polnischen, englischen, italienischen und freiburgischen Gleitschirmpiloten in bester Gesellschaft und mussten uns dank der riesigen Startfläche nicht einmal hinten anstellen. Unsere Rückwärtsstarts haben wir inzwischen perfektioniert und so glückte der Flugzeugträgerstart reibungslos. Die Thermik trug uns nicht einmal eine Stunde und wir landeten am ebenfalls grosszügig bemessenen Landeplatz. Claudia tanzte wieder einmal aus der Reihe und hielt sich hartnäckig über den Gipfeln. Bis wir den Startplatz neuerlich erreichten, war sie dort bereits topgelandet. Der zweite Flug kostete viel Soaringarbeit, welche aber schliesslich von Erfolg gekrönt war und wir alle in einem Schwarm von Fliegern um den Gipfel oberhalb des Steinbruchs kreisten. Für die besonders Eifrigen gab es schliesslich noch einen Sonnenuntergangsflug. Am Abend genossen wir die Schweizer Gastfreundschaft im L’Hotel Lac et Foret bei einem Viergangmenu und einigen Gichets Vin du Pays. Am Freitag Morgen war der Himmel bewölkt, aber die örtliche Flugschule Aerogliss schickte bereits ihre Schüler auf einen Sinkflug. Wir liessen uns vom Flugfieber wieder anstecken und wagten am Mittag unsere ersten Sinkflüge. Brigitte war bei diesem Flug so entspannt, dass sie fast im Fliegen einschlief. Worauf sie sich entschloss, für den Rest des Tages, zusammen mit Theres das Geschehen am Landeplatz zu kontrollieren. Am Nachmittag versuchen wir nochmals unser Glück und fanden ein paar Ablösungen, die uns weit über die Startplatzhöhe trugen. Inzwischen war die Sonne wieder am Himmel zu sehen, aber unser Abendflug wurde trotzdem nur ein Kurzer, da von Thermik keine Spur mehr vorhanden war. Unser letztes Abendmahl nahmen wir im Clair Logis ein, ein Restaurant an der Route de Digne, welches uns von der Wirtin am Landeplatz empfohlen wurde. Im Laufe des Abends füllte sich das Restaurant und wir fanden uns in guter Gesellschaft wieder. Die Gesichter waren uns alle vom Start- und vom Landeplatz her bekannt. Das Essen schmeckte ausgezeichnet . Da die Einfahrt zum Campingplatz nur bis 22 Uhr geöffnet ist, tranken wir das letzte Bier noch am Lagerfeuer im Campingplatz. Wobei das Bier echt war, das Lagerfeuer allerdings nur in unseren Köpften existierte. Am letzten Tag hatten wir geplant nochmals am Mont Gros zu fliegen oder eventuell nach Moustier Saint Marie weiterzufahren. Da aber an beiden Orten der Wind aus der falschen Richtung prognostiziert war, entschlossen wir uns, nochmals vor Ort am Chalvet zu starten. Am Mittag waren bereits zahlreiche Piloten am Startplatz versammelt. Einzelne Schüler starteten zum Sinkflug und die guten Piloten warteten auf laminaren Aufwind. Um 13 Uhr konnte eine Ungeduldige aus unserer Runde nicht mehr warten und stellte sich als Dummy zur Verfügung. Schon bald flog sie den Clubkollegen über den Köpfen hinweg und munterte sie mit Rufen zum Fliegen auf, doch diese warteten noch lange auf Streckenflugbedingungen. Um 14 Uhr wagten sie sich schliesslich in die Lüfte und tummelten sich über der Bergspitze oder unter vereinzelten Wolken. Um 15 Uhr waren (fast) alle glücklich und zufrieden gelandet, einzig Claudia fehlte noch in der Runde. Während ich bereits diesen Bericht schreibe, fliegt sie wahrscheinlich noch ihre heiss geliebte Strecke. So haben wir sicher viel zu berichten, wenn wir uns am Startplatz auf der Rigi treffen. Die kombinierte GCRM und WinWings Reise war ein voller Erfolg. Josef und Theres hatten die Fluggebiete der Haute-Provence bereits im Vorjahr ausgekundschaftet und erhielten über Funk regelmässig die aktuellen Windwerte. Auf den Starplätzen half uns Josef mit nützlichen Tipps und seine Ruhe und Erfahrung strahlte auf uns aus und gab uns die nötige Sicherheit. Die Reise war auch ein gesellschaftliches Highlight, wurde doch von den Kraftorten der Kirchen bis zu einer höheren Art des Seins, in dem Sich der Mensch von reiner Energie ernährt, sehr abwechslungsreiche Themen ausdiskutiert. Die Heterogenität der Reiseteilnehmer hat sich dabei als ideale Mischung erwiesen. So verabschiedeten wir uns mit den Worten „Bis zum nächsten Mal….“ Bilder »»» |
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